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Gehäusedichtungen: Filz, Lippe, Labyrinth, Taconite

Die Dichtung entscheidet, wie lange das Lager lebt — nicht das Gehäuse. Man wählt sie nach zwei Zahlen: Umfangsgeschwindigkeit der Welle und Betriebstemperatur. Der Rest ist die Umgebung.

Die Wahl in einer Tabelle

Umfangsgeschwindigkeit ist nicht Drehzahl. Sie ergibt sich aus Wellendurchmesser und Drehzahl — eine Welle ⌀90 mm bei 500 min⁻¹ ergibt rund 2,4 m/s, Filz genügt. Bei 1500 min⁻¹ sind es schon 7 m/s und Filz scheidet aus.

DichtungUmfangsgeschwindigkeitWann
Filzbis 4 m/sSerienausführung, saubere Umgebung
Doppellippebis 8 m/sgeteilt, höhere Drehzahlen
Labyrinthhohe Drehzahlenschwierige Betriebsbedingungen
Doppellabyrinthhohe DrehzahlenLabyrinth über Schmiernippel mit Fett füllbar
TaconiteStaub und Gestein: Bergbau, Zement, Brecher

Über 100 °C scheidet Filz aus — es braucht eine temperaturbeständige Dichtung.

Filz — einfach, aber vorzubereiten

Die Filzdichtung ist in SNI-Gehäusen Standard. Sie lässt eine Umfangsgeschwindigkeit bis 4 m/s zu.

Vor dem Einbau ist der Filzstreifen einige Minuten in angewärmtes Öl zu legen — trockener Filz dichtet nicht und reibt sich schnell durch. Dieser Schritt wird bei der Montage am häufigsten übersprungen.

Über 100 °C Betriebstemperatur ist der Filz durch eine temperaturbeständige Dichtung zu ersetzen.

Lippe — doppelt so schnell, braucht aber eine glatte Welle

Die Doppellippendichtung ist geteilt und lässt bis 8 m/s zu.

Zwei Dinge bei der Montage: der Spalt zwischen den beiden Lippen muss mit Fett gefüllt werden, und die Gleitfläche auf der Welle muss geglättet sein. Eine raue Welle reibt die Lippe in Wochen auf.

Labyrinth — berührungslos, für hohe Drehzahlen

Bei hohen Drehzahlen und schwierigen Bedingungen empfiehlt der Hersteller ein einfaches oder doppeltes Labyrinth. Die Dichtung berührt die Welle nicht, verschleißt also nicht und begrenzt die Drehzahl nicht.

Die mitgelieferte Perbunan-Rundschnur wird zwischen Labyrinthring und Welle eingelegt — dadurch dreht der Ring mit der Welle mit. Zulässiger Versatz zwischen Welle und Gehäuse: 0,3°.

Bei Dauerbetrieb über 100 °C muss die Schnur aus temperaturbeständigem Material sein. Beim Nachschmieren des Lagers sollte nach Möglichkeit auch die Dichtungsmitte nachgeschmiert werden.

Ein Doppellabyrinth lässt sich zusätzlich über einen Schmiernippel mit Fett füllen — mehr Dichtwirkung ohne Konstruktionsänderung.

Ein Labyrinth kauft man zusammen mit seiner Perbunan-Schnur. Ohne sie funktioniert es nicht.

Taconite — wo Staub überall hinkommt

Taconite ist die Dichtung für die härtesten Bedingungen: Gestein, Steinstaub, Zement. Der Hersteller bietet sie in Standard- und Sonderausführung an.

Bei wirklich extremen Bedingungen verweist der Katalog auf die technische Abteilung des Herstellers — und das ist die ehrliche Antwort, denn solche Fälle lassen sich nicht aus einer Tabelle klären.

Quelle
HFB-Katalog 2011/03, Seite 6 (Geschwindigkeiten, Temperaturen, Montage) und Seite 7 (Dichtungsarten).

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